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    <updated>2011-11-15T10:39:41Z</updated>
    <subtitle>Texte von Björn Ziegert</subtitle>
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    <title>JVA Preungesheim</title>
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    <published>2011-11-15T02:27:27Z</published>
    <updated>2011-11-15T10:39:41Z</updated>

    <summary><![CDATA[ &bdquo;Zur U-Bahn sind es zehn Minuten. Hier runter und dann den schmalen Gang am Gef&auml;ngnis l&auml;ngs. Da ist links...]]></summary>
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        <name>Björn Ziegert</name>
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        <![CDATA[<p>
	&bdquo;Zur U-Bahn sind es zehn Minuten. Hier runter und dann den schmalen Gang am Gef&auml;ngnis l&auml;ngs. Da ist links Stacheldraht und rechts eine Mauer. Finden Sie schon, der ist etwa so breit der Weg.&ldquo; Und streckt die Arme leicht auseinander.<br />
	Wir gehen los mit m&uuml;den Beinen. Seit dem Morgen sind wir unterwegs: Rucksack in der Fr&uuml;h gepackt, Thermoskanne Kaffee, Apfelkuchen, richtig viel Apfelkuchen frisch aus dem Ofen, Decke und los, Ned und seine T&ouml;le rausgeklingelt und &ndash; Sonnenschein, warm, der Himmel ganz blau und alles andere bunt vom Herbst. Nach Norden &uuml;ber den Main und dann rauf auf den Lohrberg, mit diesem Blick auf Frankfurt im Dunst (&bdquo;Ist das da dr&uuml;ben das Kohlekraftwerk?&ldquo;). Neben uns eine Birke mit fetten ausladenden &Auml;sten, also rauf auf den Baum, denn es ist Pippi Langstrumpftag, und &uuml;ber der Erde im Schneidersitz, mit dem Kaffee in der Hand, raue Borke im R&uuml;cken, und alles vollgesogen mit dem milden Herbst und dem L&auml;cheln von der h&uuml;bschen Frau von vorhin mit dem riesigen roten Schal und der Sonnenbrille.</p>
<p>
	Stunden sp&auml;ter sind wir bis Preungesheim gekommen, es wird schon kalt und dunkelt, also schnell diesen schmalen Gang am Gef&auml;ngnis finden, und ab zur Bahn. Den Stacheldraht sieht man schon von weitem. Riesige lange Spiralen. Vor dem Zaun, auf dem Zaun, &uuml;bereinandergestapelt, gl&auml;nzend und neu (&bdquo;Nato-Draht, bei jeder Bewegung schneidet der sich tiefer ins Fleisch.&ldquo;). Der Gang ist wirklich schmal, keinen Meter breit, wir gehen hintereinander, der Hund am Ende, m&uuml;de vom langen Tag. Alle paar Meter ein Schild: &bdquo;Privatweg der Justizvollzugsanstalt!&ldquo;<br />
	Hinter dem Zaun ist kein Mensch. Kameras, ein paar niedrige Werkstattgeb&auml;ude, leere Asphaltfl&auml;che. Weiter hinten sind Mauern zu sehen, in verschiedener H&ouml;he, ineinander verschachtelt. Der Weg biegt nach links, und wir laufen frontal auf das Haupttor zu. Schiebet&uuml;ren aus mannsdickem Stahl in einer hohen Betonwand. Ned sch&auml;tzt mindestens zw&ouml;lf Meter hoch. Symmetrische Platten aus Beton. Ganz glatt. Dunkelgrau und gl&auml;nzend, keine Verf&auml;rbung, alles neu.<br />
	Wir m&uuml;ssen rechts die Stra&szlig;e runter. An der Mauer entlang. Es gibt keinen Trennstreifen, keinen vorgelagerten Zaun. Wir gehen auf der Stra&szlig;e und eine Arml&auml;nge von uns jagen zw&ouml;lf Meter Beton in den Himmel. Ich bleibe stehen, irgendetwas stimmt nicht. Der Hund schnauft. Nur sein Schnaufen ist zu h&ouml;ren, sonst ist es still. Kein einziges Ger&auml;usch hinter der Gef&auml;ngnismauer. Kein Klappern, keine entfernte L&uuml;ftungsanlage, kein Brummen, kein Rauschen, absolut nichts. Wir warten, minutenlang auf irgendeinen Ton. Nichts.<br />
	Ned schaut mich an, ballt die Hand zur Faust und schl&auml;gt zweimal mit den Kn&ouml;cheln gegen die Mauer. Das ist laut. Zweimal l&auml;uft ein dumpfes Peitschen durch den Beton. Dann wieder Stille.<br />
	Keine Antwort.</p>
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    <title>Die Hofmann-Geschichte</title>
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    <published>2011-11-01T15:50:23Z</published>
    <updated>2011-11-20T00:56:07Z</updated>

    <summary><![CDATA[ &bdquo;Und ich dachte an &lsquo;ne halbe, oder &lsquo;ne viertel, aber zwei ganze! Und das wurde so hart! Ich lief...]]></summary>
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        <![CDATA[<p>
	&bdquo;Und ich dachte an &lsquo;ne halbe, oder &lsquo;ne viertel, aber zwei ganze! Und das wurde so hart! Ich lief dann auf der Party herum, und an allen Leuten lief Blut &lsquo;runter, alles voller Blut. Und ich bin so ran und hab&lsquo; ganz vorsichtig gefragt &sbquo;Ey, seid ihr ok?&lsquo; Und die so &sbquo;H&auml;? Was is&rsquo;n mit dem los?&lsquo; Und dann hab&lsquo; ich schon gemerkt, da&szlig; irgendwas nicht stimmt und bin raus. Und drau&szlig;en auf der Stra&szlig;e war alles voller Polizisten, wirklich jeder hatte Uniform an. Auch ein Kinderwagen, der die Farben von so &lsquo;nem Bullenwagen hatte, und das Baby! Mit M&uuml;tze und gr&uuml;ner Jacke!&ldquo;<br />
	&bdquo;War Dir denn klar, da&szlig; das Halluzinationen waren?&ldquo;<br />
	&bdquo;Ich musste davon ausgehen.&ldquo;<br />
	&nbsp;</p>
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    <title>&quot;Komm besser heute!&quot;</title>
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    <id>tag:www.wortgebrauch.de,2011://1.261</id>

    <published>2011-10-08T16:36:10Z</published>
    <updated>2011-11-20T00:56:56Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Intensivstation, wir warten in der Schleuse. Kleiner Raum, vier St&uuml;hle an der Wand, gr&uuml;ne Kittel im Regal. Neben der&nbsp;offenen...]]></summary>
    <author>
        <name>Björn Ziegert</name>
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    <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.wortgebrauch.de/">
        <![CDATA[<p>
	<span data-scayt_word="Intensivstation" data-scaytid="1">Intensivstation</span>, <span data-scayt_word="wir" data-scaytid="2">wir</span> <span data-scayt_word="warten" data-scaytid="3">warten</span> in <span data-scayt_word="der" data-scaytid="4">der</span> <span data-scayt_word="Schleuse" data-scaytid="9">Schleuse</span>. <span data-scayt_word="Kleiner" data-scaytid="10">Kleiner</span> <span data-scayt_word="Raum" data-scaytid="11">Raum</span>, vier <span data-scayt_word="Stühle" data-scaytid="12">St&uuml;hle</span> an <span data-scayt_word="der" data-scaytid="5">der</span> Wand, <span data-scayt_word="grüne" data-scaytid="13">gr&uuml;ne</span> <span data-scayt_word="Kittel" data-scaytid="14">Kittel</span> <span data-scayt_word="im" data-scaytid="15">im</span> Regal. <span data-scayt_word="Neben" data-scaytid="17">Neben</span> <span data-scayt_word="der" data-scaytid="6">der</span>&nbsp;<span data-scayt_word="offenen" data-scaytid="18">offenen</span> <span data-scayt_word="Tür" data-scaytid="19">T&uuml;r</span> <span data-scayt_word="hängt" data-scaytid="20">h&auml;ngt</span>&nbsp;<span data-scayt_word="ein" data-scaytid="21">ein</span> <span data-scayt_word="Schild" data-scaytid="22">Schild</span>,&nbsp;<span data-scayt_word="„Nur" data-scaytid="23">&bdquo;Nur</span> <span data-scayt_word="nach" data-scaytid="24">nach</span> <span data-scayt_word="Aufforderung" data-scaytid="25">Aufforderung</span> <span data-scayt_word="eintreten" data-scaytid="52">eintreten</span>!&ldquo; <span data-scayt_word="Der" data-scaytid="53">Der</span> Geruch von Sterillium weht herein. Man h&ouml;rt Pumpen, die Luft aus Schl&auml;uchen saugen, und das Piepsen der Herzmonitore. Eine Frau feudelt den Boden, schaut nicht auf, duckt sich unter unseren Blicken. Sie wringt den Feudel aus und l&auml;sst ihn auf den Boden klatschen, schiebt ihn vor und zur&uuml;ck, langsam und ganz <span data-scayt_word="im" data-scaytid="16">im</span> Rhythmus <span data-scayt_word="der" data-scaytid="8">der</span> Maschinen, die pumpen oder saugen oder grollend anspringen.</p>
<p>
	So sieht es also <span data-scayt_word="aus" data-scaytid="54">aus</span>. So oder so &auml;hnlich. Was f&uuml;r <span data-scayt_word="ein" data-scaytid="26">ein</span> beschissener Ort zum Sterben.</p>
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    <title>Waldorfschule, Zeugnistag</title>
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    <published>2011-06-23T14:18:02Z</published>
    <updated>2011-08-04T09:06:31Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Me /Kl.1 / Wotan P. Wotan erfreut uns durch sein d&uuml;steres und missmutiges Wesen, das sich in erfrischender Weise...]]></summary>
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        <![CDATA[<p>
	<span style="font-size:14px;">Me /Kl.1 / Wotan P.<br />
	<br />
	Wotan erfreut uns durch sein d&uuml;steres und missmutiges Wesen, das sich in erfrischender Weise von den anderen Kindern unterscheidet.</span></p>
<p>
	<span style="font-size: 14px;">M&uuml;de und verschlafen, immer einen Kaffee in der Hand, betrat Wotan morgens das Klassenzimmer. Seine tiefen Augenringe und die roten Augen lie&szlig;en erahnen, da&szlig; er in der Nacht zuvor viel erlebt hatte, und oft wusste er im Morgenkreis davon zu berichten.<br />
	War zu Beginn des Tages eine Hindernisbahn aus B&auml;nken und Tischen aufgebaut </span>&ndash; <span style="font-size: 14px;">um die fein- und grobmotorische Koordination zu &uuml;ben </span>&ndash; <span style="font-size: 14px;">so zeigte sich Wotan anfangs scheu und zur&uuml;ckhaltend, &ouml;ffnete sich aber im Laufe des Jahres f&uuml;r seine K&ouml;rperlichkeit. Oft stellte er nun auf den wackeligen Parcourb&auml;nken den anderen Kindern ein Bein. Und immer gab es ein gro&szlig;es Hallo, wenn er einen Besenstiel zur Hand nahm, und einem balancierenden Kind einen Kn&ouml;chel oder das Knie zerschlug.<br />
	Im rhythmisch-musikalischen Teil fand Wotan nur z&ouml;gerlich ins Tun. Besonders die chorischen Ges&auml;nge fielen ihm schwer. Seine &sbquo;Satanas&lsquo;-Rufe drangen zwar mit voller Lautst&auml;rke durch den Raum, f&uuml;gten sich aber selten in den Fluss der Stimmen ein. Aufmunternde Zeichen von seiner Lehrerin halfen ihm dann, und Wotan kam immer besser in die Nachahmung zur&uuml;ck. Das chorische Singen bleibt aber zu &uuml;ben, seine begleitenden Gesten entsprechen nicht den Vorgaben.<br />
	Wotan gestaltete seine Epochenhefte sehr sch&ouml;n und liebevoll. So wurden gepresste Fr&ouml;sche oder in Scheiben geschnittene Jungv&ouml;gel auf die Seiten geklebt. Auch verzierte er die Bilder mit benutzten Spritzen oder Nadeln </span>&ndash; <span style="font-size:14px;">die er wohl auf dem Spielplatz gefunden hatte (sein Angebot, eine Flei&szlig;arbeit zu diesem Thema zu erstellen, wurde in R&uuml;cksprache mit dem Direktor auf das zweite Schuljahr verschoben).Wotans Epochenhefte sind f&uuml;r die Klassengemeinschaft ein Quell der Freude.<br />
	In seinen Buchstabenbilder fand sich Stacheldraht. Er zeigte auch ein gutes Gesp&uuml;r f&uuml;r Klingen und Altmetall. Gerne griff er in seine unersch&ouml;pflichen Hosentaschen, wenn eines der anderen Kinder zu ihm kam, und nach Draht oder nach einer Schnappfalle fragte (und nie lie&szlig; er sie gehen, ohne ihnen einen kr&auml;ftigen Schluck Birnenschnaps anzubieten).<br />
	Im Erz&auml;hlteil verband sich Wotan auf sch&ouml;ne Weise mit der M&auml;rchenwelt. Aufgeregt forderte er, die B&ouml;sewichte &sbquo;auszuknipsen&lsquo; oder &sbquo;wegzumachen&lsquo;. Hier wird sein Sinn f&uuml;r Gerechtigkeit sichtbar.<br />
	Bei unseren Ausfl&uuml;gen erwies sich Wotan als ausdauernder Wanderer, der Wind und Wetter trotzte. Seine Offenheit und Kontaktfreude zeigte sich besonders in der Hafengegend. Viele Arbeiter schienen ihn zu kennen, und immer huschte ein feines L&auml;cheln &uuml;ber sein Gesicht, wenn ihm einer dieser breiten Kerle einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter gab. Wotan f&uuml;hrte uns auch in versteckte Gassen, und stellte uns russische oder ukrainische M&auml;dchen vor. Immer hatte er dann lustige Spielideen, die f&uuml;r sein Alter recht ungew&ouml;hnlich sind.<br />
	Auf dem Pausenhof hat Wotan schnell in die Gemeinschaft hineingefunden. Meist spielt er mit einer gro&szlig;en Gruppe &sbquo;Aufessen!&lsquo;, oder er klettert mit seinen Freunden auf das Dach der Schule und wirft brennende Pappkartons in die Schornsteine.<br />
	Er hat einen ausgepr&auml;gten Sinn f&uuml;r Regeln, die er jedoch nicht immer auf sich selbst anzuwenden wei&szlig;. So war er auch nach dem bedr&uuml;ckenden Vorfall im Januar nicht bereit, sein Taschenmesser abzugeben. Hier ist &Uuml;bung n&ouml;tig, damit er sich mit den Vorgaben seiner Lehrerin noch besser verbindet.<br />
	Wotans Hass und seine Verachtung haben viel Neues in die Klassengemeinschaft gebracht. Da er Lernen ablehnt und schon mal zornig wird, wenn er an die Tafel kommen soll, braucht er im zweiten Schuljahr noch etwas Ansprache, damit er besser in den Strom des Unterrichtsgeschehens findet. M&ouml;gen ihm die wohlverdienten Sommerferien die Kraft daf&uuml;r schenken.<br />
	<br />
	Sinnspruch f&uuml;r das zweite Schuljahr:<br />
	Finstrer Ort und finstrer Sinn,<br />
	Nun bl&uuml;hen die Rosen dr&uuml;ber hin.<br />
	(Theodor Fontane, K&ouml;nigs Wusterhausen)</span></p>
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    <title>Schnappschuss</title>
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    <published>2011-05-26T01:25:07Z</published>
    <updated>2011-11-01T15:49:57Z</updated>

    <summary>Mumbai&#8194;4:15min&#8195;Audio-Slide...</summary>
    <author>
        <name>Björn Ziegert</name>
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        <![CDATA[<p>Mumbai&#8194;4:15min&#8195;<a class="audioslide" href="http://observer.guardian.co.uk/flash/page/0,,2025270,00.html">Audio-Slide</a></p>]]>
        
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    <title>Spessart, letzte Tage</title>
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    <published>2011-01-15T21:02:57Z</published>
    <updated>2011-05-26T02:04:48Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Tag 5 Nur noch Schnee. Wenn ich die Augen schlie&szlig;e, tauchen Bilder von verschneiten W&auml;ldern auf. Tag 6 Eine...]]></summary>
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        <![CDATA[<p>
	Tag 5<br />
	Nur noch Schnee. Wenn ich die Augen schlie&szlig;e, tauchen Bilder von verschneiten W&auml;ldern auf.<br />
	<br />
	Tag 6<br />
	Eine Holzbank auf Gleis 2. Ich warte auf den Regionalzug und esse Berliner aus der T&uuml;te.<br />
	Ein G&uuml;terzug rauscht durch. Vor meiner Nasenspitze. Voller L&auml;rm nach sechs Tagen Stille. Stahlr&auml;der auf Stahlgleisen und richtig Bass.<br />
	Ich find&rsquo;s wunderbar. Wie im Club: Breitseite auf die Ohren.<br />
	Und dann noch die Berliner.</p>
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    <title>Spessart, Tag 4</title>
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    <published>2011-01-12T22:12:58Z</published>
    <updated>2011-05-26T07:36:53Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Kommen wir zur K&ouml;nigsdisziplin des Wanderns &ndash; Arschrasur bei strengem Frost. Variante A, das breitbeinige Absenken &uuml;ber schmalem Fl&uuml;sschen...]]></summary>
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        <name>Björn Ziegert</name>
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        <![CDATA[<p>
	Kommen wir zur K&ouml;nigsdisziplin des Wanderns &ndash; Arschrasur bei strengem Frost.<br />
	Variante A, das breitbeinige Absenken &uuml;ber schmalem Fl&uuml;sschen ist nicht zu empfehlen. Rutschige Uferkanten oder auch herantreibende Eisst&uuml;cke &ndash; von hinten &ndash; erduldet nur der Hartgesottene.<br />
	Variante B, &lsquo;Trockener Hobel&lsquo;, f&uuml;hrt in die n&auml;chste Dorfdrogerie (&bdquo;Geh&rsquo;n sie mal Gang 3, hinter der S&auml;ule, die Penaten-Sachen.&ldquo;).<br />
	Variante C, die &lsquo;lange Wandermatte&lsquo;, sowie Variante D, die Wuchernde (Volksmund: Frecher Igel), sind naturn&auml;her (haben aber andere Schattenseiten). Bleibt Variante E.</p>
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    <title>Spessart, Tag 3</title>
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    <published>2011-01-10T00:01:30Z</published>
    <updated>2011-05-26T07:12:57Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Der Besuch Es ist gegen zehn. Der Schlafsack l&uuml;ftet, das &nbsp;kleine Handtuch &ndash; feucht von der Morgenw&auml;sche &ndash; wird...]]></summary>
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        <![CDATA[<p>
	Der Besuch<br />
	Es ist gegen zehn. Der Schlafsack l&uuml;ftet, das &nbsp;kleine Handtuch &ndash; feucht von der Morgenw&auml;sche &ndash; wird langsam steif, der Topf hat die erste Runde Haferbrei hinter sich und steht schon wieder auf dem Kocher, um Schnee zu schmelzen.<br />
	Hinten am Waldrand, auf der anderen Seite des Tales, bewegt sich etwas. Sch&auml;ferhund. Arbeitet sich durch den Schnee in meine Richtung. Gute zehn Meter vor mir bleibt der Hund stehen, schaut mich ruhig an, bellt nicht, dreht seinen Kopf zu dem Mann, der ein gutes St&uuml;ck hinter ihm mit dem Schnee k&auml;mpft, und wartet.<br />
	Als der Mann n&auml;her kommt, rufe ich ihm einen Gru&szlig; zu und &bdquo;Der Kaffee ist gleich fertig!&ldquo; &ndash; keine Antwort. Aber er stapft direkt auf mich zu, setzt sich auf die Isomatte, die ausgebreitet &uuml;ber dem dicken Baumstamm liegt, und nimmt die M&uuml;tze ab. Hei&szlig;t Hannes.<br />
	Hannes klopft sich erstmal den Schnee von den Turnschuhen. Wei&szlig;e Nikes (&bdquo;Mit denen kann ich besser gehen als mit Winterstiefeln!&ldquo;). Er hat eine beigefarbene, wattierte Jacke an, im Gesicht viele Falten, Tropfen an der Nase.<br />
	&bdquo;Nee, nur am Wochenende. Da kommen mal welche aus Frankfurt. Im Sommer. Aber sonst ist hier kein Mensch.&ldquo; Sein Sch&auml;ferhund ist scheu, er l&auml;sst sich nur kurz streicheln und legt sich in den Schnee.<br />
	Hannes erz&auml;hlt von Reitern, die hier manchmal unterwegs sind, und dass es hier viel Pferde gebe. In seinem Dorf hat einer acht, ein anderer neun und &bdquo;einer dreiundneunzig &ndash; ho, ho, ho! Dreiundneunzig! Bei dem hab&lsquo; ich fr&uuml;her gearbeitet. Pferde raus &ndash; und Pferde wieder rein.&ldquo; Aber das ginge ja jetzt alles nicht mehr. Krebs. Und auch die Knochen kaputt. Die &Auml;rzte h&auml;tten ihm gesagt, sein linkes Knie sei nur noch Matsch. Aber ein k&uuml;nstliches Gelenk k&auml;me f&uuml;r ihn nicht in Frage. &bdquo;Nee, nee! Mach&lsquo; ich nicht.&ldquo; Seit vier Jahren trinkt er keinen Alkohol mehr, damit er l&auml;nger lebt. Und keine Ahnung, ob er es sonst bis zum heutigen Tag geschafft h&auml;tte. Der Honig im Kaffee gef&auml;llt ihm. Will er ausprobieren, weil er keinen Zucker mehr nimmt &ndash; &bdquo;wegen Ern&auml;hrung&ldquo;.<br />
	Ich solle ihn doch besuchen, wenn ich wieder im Spessart sei. Ich krame einen Zettel aus der Tasche und halte ihm einen Stift hin, damit er seine Adresse aufschreibt. &bdquo;Nee, schreib du mal.&ldquo; Ich blicke auf seine H&auml;nde. Die Gelenke sind geschwollen, ein Finger steht ganz schief.<br />
	Als die beiden gehen, stehe ich eine Weile im Schnee, trinke den letzten Schluck Kaffee und schaue ihnen hinterher.<br />
	Gegen&uuml;ber am Hang wieder dieses laute Knacken. Frostrisse im Holz.</p>
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    <title>Spessart, Tag 2</title>
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    <id>tag:www.wortgebrauch.de,2011://1.254</id>

    <published>2011-01-07T14:40:03Z</published>
    <updated>2011-05-26T07:32:26Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Was gefriert: Zahncreme h&auml;lt sich tapfer bis -10&deg;, Listerine Mundsp&uuml;lung trotzt allem (-15&deg; kein Problem, hartn&auml;ckiges Zeug); Oliven&ouml;l wird...]]></summary>
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        <![CDATA[<p>
	Was gefriert:<br />
	Zahncreme h&auml;lt sich tapfer bis -10&deg;, Listerine Mundsp&uuml;lung trotzt allem (-15&deg; kein Problem, hartn&auml;ckiges Zeug); Oliven&ouml;l wird fest, ist aber h&uuml;bsch l&ouml;ffelbar;&nbsp; Hansaplast Wunddesinfektionsspray unbrauchbar, gefriert sofort&nbsp; (ersetzen durch Listerine?); Deo-Roller: keine Chance, muss wie das Hansazeug direkt an den K&ouml;rper; feuchtes Toilettenpapier: friert (was doof ist &ndash; vor allem, wenn man es zu sp&auml;t merkt &hellip;); Lederstiefel, Lodengamaschen: bretthart (eigentlich in den Schlafsack, da aber schon &Uuml;berbelegung wg. Trinkwasser und Klamotten) &ndash; also morgens mit warmen Socken in die eiskalten Schuhe, dann Gamaschen, Kaffee in die Hand &ndash; und nicht unbedingt allzu lange stillstehen &hellip; Schladming tut aber gute Dienste, ein Lied:<br />
	<br />
	<em>Lob der Lodengamasche<br />
	Oh, Wadenwams! Oh, Waffeleisen! Waschbare Walhalla!<br />
	Welch Weber wirkte, walkte dich, du Weltenwunderwunsch?<br />
	Ob Warschaus W&auml;lder, Wolgograd &hellip;</em><br />
	<br />
	Journal:<br />
	Am Morgen nach der ersten Nacht &ndash; mit warmen F&uuml;&szlig;en &ndash; weiter auf dem &sbquo;Eselsweg&lsquo;.<br />
	Der sich nach einiger Wanderung unter einer verschwiegenen wei&szlig;en Decke unsichtbar macht. Erst nach dem Queren von verschneiten &Auml;ckern, dem Rat eines r&uuml;stigen Winterjoggers (&bdquo;Die Stra&szlig;e hoch und dann rechts. Da ist aber nicht gespurt!&ldquo; &bdquo;Ja, ja. Schon klar.&ldquo;) und nach drei Kilometern Asphalt taucht er wieder auf. Rechts zwischen den B&auml;umen: ein schwarzes &sbquo;E&lsquo; auf wei&szlig;em Grund &ndash; das Wegzeichen des Eselsweges. Dankbar lasse ich die Stra&szlig;e hinter mir (und die Nahtoderfahrung mit der Unimog-Winterdienst-Flotte).<br />
	Der Waldweg ist leicht absch&uuml;ssig. Kahle Birken, eine Blaumeise, weiter unten ein kleiner Bach. Nur das leise Pl&auml;tschern ist zu h&ouml;ren, sonst eine zauberhafte Stille, und dann &ndash; &sbquo;Flomp!&lsquo; &ndash; der Boden gibt nach, und ich stecke (samt Rucksack!) bis zum Kinn im Schnee.<br />
	Kurzer Blickwechsel mit der Blaumeise.<br />
	Und w&auml;hrend ich mit Schwimmbewegungen langsam auftauche, wird mir klar, warum vor mir keine Fu&szlig;spuren mehr zu sehen waren &hellip;</p>
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    <title>Spessart, Tag 1</title>
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    <id>tag:www.wortgebrauch.de,2011://1.253</id>

    <published>2011-01-05T18:21:27Z</published>
    <updated>2011-05-26T07:20:19Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Journal: &bdquo;Da is&lsquo; aber nicht gespurt!&ldquo; sagt die B&auml;uerin mit dem einen Zahn. Sie steht zwischen gefrorenem Mist und...]]></summary>
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        <![CDATA[<p>
	Journal:<br />
	&bdquo;Da is&lsquo; aber nicht gespurt!&ldquo; sagt die B&auml;uerin mit dem einen Zahn. Sie steht zwischen gefrorenem Mist und umgekippten Schubkarren und weist mir den Weg. Meine Landkarte war falsch. Ein verschneiter Weg hatte mich nicht auf den &sbquo;Eselsweg&lsquo;, sondern auf einen kleinen abgeranzten Hof gef&uuml;hrt.<br />
	Kaum stand ich da, zwischen einem kaputten Schuppen und dem gefrorenem Mist, schlurfte die Einzahnige heran. Dickb&auml;uchig. Die H&auml;nde in den Taschen der Arbeitshose verborgen (&sbquo;Raiffeisen&lsquo;, gr&uuml;n mit Kniebes&auml;tzen aus grauem Cordura). Ich mochte die Frau. Sie paffte entspannt eine Zigarette, die in ihrem Mundwinkel hing. Wippte von einem Bein auf&#39;s andere und wunderte sich &uuml;ber gar nichts. &bdquo;Geh da mal quer hoch, und an den B&auml;umen links. Dann komms&rsquo;u auf den Weg, und den &rsquo;n ganzes St&uuml;ck hoch. Muss&rsquo;u aber &uuml;ber zwei Z&auml;une r&uuml;ber.&ldquo; Und &ndash; nicht gespurt.<br />
	Nicht gespurt hei&szlig;t eine Stunde durch knietiefen Schnee bergauf. Volle Winterausr&uuml;stung, Essen f&uuml;r eine Woche, ein paar Liter Wasser und an den Beinen diese sauschweren Gamaschen aus Schladminger Loden.<br />
	Oben auf dem Kamm dann freie Sicht: H&uuml;gel auf H&uuml;gel nur dunkler, tiefer Wald. Bis zum Horizont. Und nichts &ndash; keine Siedlung, keine Lichter. Nur Wald. Der Spessart.</p>
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    <title>Sopranflöte</title>
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    <published>2010-11-19T19:21:58Z</published>
    <updated>2010-11-21T14:50:53Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Das Konzert der Fl&ouml;tenschule fand um sechzehn Uhr statt. Im Villenviertel. Wei&szlig;e Altbauten, Volvo Kombi, ein H&uuml;ndchen mit roter...]]></summary>
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        <![CDATA[<p>
	Das Konzert der Fl&ouml;tenschule fand um sechzehn Uhr statt. Im Villenviertel. Wei&szlig;e Altbauten, Volvo Kombi, ein H&uuml;ndchen mit roter Jacke. Nummer 34a, links die Einfahrt rein, am Haus vorbei. Hinten der Friedrich-Rittelmeyer-Saal. Im Garten.<br />
	Und dann: T&ouml;ne &uuml;ber T&ouml;ne! Zwei kniehohe M&auml;dchen mit Schleifen in den Haaren und einer beklatschten Melodie, die aus C, D und F bestand.<br />
	Ein Damenquartett mit nerv&ouml;sen Blicken &ndash; drei ihrer Fl&ouml;ten waren gestimmt, die vierte einen Halbton dr&uuml;ber. Die Damen spielten schief, zuckten mit den Schultern, lie&szlig;en schlie&szlig;lich die Instrumente sinken und riefen nach der Lehrerin. Die rauschte heran in ihrem schwingendem Kleid und den Tanzschuhen. Graue strenge Haare, Nickelbrille, gebeugter Kopf, winzig und d&uuml;rr. Und suchte aufgeregt in den Noten (&bdquo;Jaaa, jaaa, das ist ja gar kein Problem. Gaaar kein Problem, hier &hellip; wo ist denn das jetzt &hellip;?&quot;). Sie zeigte auf die Stelle, bei der wieder begonnen werden sollte und das Drama begann erneut.<br />
	Sp&auml;ter ein Trio mit einem M&auml;dchen, das im Rollstuhl sa&szlig; und wohl Fehler bei ihrer Mitspielerin h&ouml;rte. Strafendes Auge nach oben und langsames Kopfsch&uuml;tteln &ndash; mit Fl&ouml;te!<br />
	Und wieder die Lehrerin mit ihrem &bdquo;Sooo, jetzt spielt uns die Lisa mal den tiefsten Ton auf ihrem Instrument, sooo, jaaaah! Oooooh!&ldquo; Und das alles in den engen Reihen der Elternschar. Weit vom Ausgang und sogar weit vom n&auml;chsten Gang entfernt. Wie fr&uuml;her! Eingezw&auml;ngt. Verdammt, die ganze Stunde &ndash; bis zur Pause &ndash; auf dem kleinen Steckstuhl auszuharren!</p>
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    <title>Zorn</title>
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    <id>tag:www.wortgebrauch.de,2010://1.251</id>

    <published>2010-10-22T09:58:31Z</published>
    <updated>2010-10-22T10:37:19Z</updated>

    <summary><![CDATA[ &bdquo;Isch bin zo&rsquo;nnisch! Ne, escht! Isch bin so saue&lsquo;!&ldquo; Jupp hat Schwei&szlig; auf der Stirn. Er duckt sich und...]]></summary>
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        <![CDATA[<p>
	&bdquo;Isch bin zo&rsquo;nnisch! Ne, escht! Isch bin so saue&lsquo;!&ldquo; Jupp hat Schwei&szlig; auf der Stirn. Er duckt sich und sch&uuml;ttelt dabei den Kopf. &bdquo;Nee, nee, nee. Also eh&rsquo;lisch!&ldquo; W&auml;hrend er redet, starrt er rechts aus dem Fenster. Auf den leeren Balkon. &bdquo;Zwei Hose&lsquo;. Zwei Hose&lsquo;! Ei&lsquo; Lede&rsquo;jack&lsquo;, Hemde&lsquo;, un a&lsquo; Strickjack&lsquo;. Un&lsquo; mehr. Nein, nein &ndash; das liescht ja alles im Keller. Aber nix is&lsquo;!&ldquo; Jupps Klamotten von fr&uuml;her sind nie mehr aufgetaucht. Im Keller des Heimes wurden seine Kleidung und die Stereo-Anlage (&bdquo;Zweitausend Euro! EURO!&ldquo;) eingelagert. Zumindest hatte man ihm das gesagt, als er vor zweieinhalb Jahren in dieses Heim kam. Seitdem muss er mit den paar Sachen auskommen, die bei ihm im Schrank sind. Jupp rollt r&uuml;ber und klappt die T&uuml;ren auf. In dem halbhohen W&auml;scheschrank liegen f&uuml;nf oder sechs Unterhemden, ein paar Unterhosen und ein bunter Lappen. Drei F&auml;cher, nicht einmal halb gef&uuml;llt. In dem hohen Schrank daneben: eine Jacke aus altem Wildleder, eine Strickjacke in beige, eine Handvoll B&uuml;gel mit Hemden oder Sweatshirts. Unten steht ein Karton mit zwei Paar Schuhen. Turnschuhe und gelbe Espadrilles. Jupp klappt die T&uuml;ren wieder zu. Au&szlig;en die Namensschilder: mit Filzstift auf Kreppklebeband. Sein Zimmergenosse &ndash; der &sbquo;Milljon&auml;r&lsquo; (&bdquo;Drecksack, der!&ldquo;) &ndash; hat die andere H&auml;lfte der kleinen Schrankwand. Zwei Leben auf einem Meter zwanzig.<br />
	Wir setzen uns auf den Balkon. Es ist kalt geworden, Jupp friert. Er zieht an seiner Marlboro &ndash; vier-, f&uuml;nfmal ohne Pause. Die Asche f&auml;llt an ihm herunter. Er tr&auml;gt das gleiche Hemd wie beim letzten Mal. Unten am &Auml;rmel ein neues Brandloch. Immer wieder gibt es wegen der Kleidung Streit mit der Heimleitung. &bdquo;Ja, des geht nit, des geht nit. Isch sach&lsquo;: wieso? Wieso geht des nit? Isch muss doch Hose habbe! Abe&lsquo; nix! So ei&lsquo; paar A&rsquo;schl&ouml;scher! Nee, nee, nee.&ldquo;<br />
	Nach dem letzten Streit ist er abgehauen. Er hat es bis zum Busbahnhof geschafft. Dann war Schluss. Jupps Oberlippe zittert vor Wut. &bdquo;Isch bin zo&lsquo;nnisch! Ne, escht! Isch hab&lsquo; Zo&rsquo;nn!&ldquo;</p>
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    <title>Zeitungsnotiz</title>
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    <id>tag:www.wortgebrauch.de,2010://1.250</id>

    <published>2010-10-13T13:16:49Z</published>
    <updated>2010-10-13T19:15:14Z</updated>

    <summary> 11.10.2010, S. 16; Panorama Am Zentralen Omnibusbahnhof wurde gestern ein geistig verwirrter Mann von der Polizei aufgegriffen. Nach Berichten...</summary>
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        <name>Björn Ziegert</name>
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        <![CDATA[<p style="text-align: justify;">
	<small>11.10.2010, S. 16; Panorama</small></p>
<p style="text-align: justify;">
	<small>Am Zentralen Omnibusbahnhof wurde gestern ein geistig verwirrter Mann von der Polizei aufgegriffen. Nach Berichten von Anwohnern hatte der **j&auml;hrige schon in der Nacht zuvor am ZOB randaliert&nbsp; und war sp&auml;ter schlafend in einem Warteh&auml;uschen gesehen worden. Die Polizeidirektion teilte mit, dass es sich um den gesuchten Josef *** handele. Er sei vor vier Tagen aus einem Altersheim verschwunden und w&uuml;rde nach einer medizinischen Untersuchung dorthin zur&uuml;ckgebracht. Es ist der achtzehnte Fall in diesem Jahr, bei dem Heimbewohner von der Polizei aufgegriffen w&uuml;rden. Auf Nachfrage teilte die Leitung des Altersheimes in der **stra&szlig;e mit, dass der an den Rollstuhl gefesselte Mann zu T&auml;tlichkeiten neige. Mehr Aufsicht sei wegen Personalmangels aber nur schwer zu leisten. Ein wachsender Kostenanteil gehe heute in die schriftliche Dokumentation der Pflege. &bdquo;Da wir f&uuml;r jedes neue Shampoo ein Formular ausf&uuml;llen m&uuml;ssen, fehlt die Zeit in der Betreuung&ldquo;, sagte Heimleiterin Carla ***.&emsp;gos</small></p>
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    <title>Bis ich nicht mehr da bin</title>
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    <id>tag:www.wortgebrauch.de,2010://1.249</id>

    <published>2010-10-09T20:47:33Z</published>
    <updated>2010-10-09T20:54:47Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Wenn man zu Jupp will, muss man Gitter &ouml;ffnen. Vor jeder Treppe ist eine dieser h&uuml;fthohen T&uuml;ren aus Stahlrohr,...]]></summary>
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        <![CDATA[<p>
	Wenn man zu Jupp will, muss man Gitter &ouml;ffnen. Vor jeder Treppe ist eine dieser h&uuml;fthohen T&uuml;ren aus Stahlrohr, die schlimme Unf&auml;lle verhindern sollen. Schnapp&ouml;ffnung: anheben, dr&uuml;cken, absetzen. Und &bdquo;blo&szlig; wieder zumachen, die rennen doch sonstwohin!&ldquo; Bis in den zweiten Stock sind das vier Gittert&uuml;ren, also nehme ich jetzt immer den &sbquo;Fahrstuhl ohne Beschleunigung&lsquo;. Da habe ich Zeit f&uuml;r einen Blick in den Spiegel, denke &uuml;ber &bdquo;Bettenaufzug, 1600kg Nutzlast&ldquo; nach, und ob sie die Sechsundachtzigj&auml;hrige (&bdquo;Ich hab&lsquo; sie an dem Tach noch geseh&rsquo;n!&ldquo;) gleich mitsamt ihrem Sterbebett nach unten geschafft haben. Dann kurz die Schn&uuml;rsenkel nachziehen, ein Schluck Wasser &ndash; und schon bin ich im zweiten Stock!<br />
	Hier ist alles wie immer. Auf dem Flur das Klavier mit dem unber&uuml;hrten wei&szlig;en Deckchen, die Keramikblumen aus der Bastelstunde mit Schwester Margarethe, das &uuml;bliche St&ouml;hnen aus dem Zimmer vorne rechts &ndash; nur Jupp ist nicht da. In seinem Zimmer niemand au&szlig;er dem Mitbewohner, dem &sbquo;Milljon&auml;r&lsquo; (&bdquo;Jaja, Milljon&auml;r &ndash; von wesche! Schei&szlig;e mit Ei!&ldquo;). Der Platz vor dem Fernseher dagegen ist leer. Ein Zivi berichtet gelangweilt, da&szlig; Jupp seit zwei Tagen verschwunden sei, man habe die Polizei schon informiert und er wisse ja auch nicht.<br />
	Ich stehe auf dem Gang. Die alte Frau von nebenan tritt aus ihrer T&uuml;r. Vor ein paar Tagen hatte ich sie noch auf dem Balkon gesehen. Jupp bot ihr eine Zigarette an, und sie strahlte mich an. &bdquo;Haben Sie die mitgebracht? Sind die von Ihnen? Die schmecken ja viel besser als meine.&ldquo; Und hielt mir eine ausgedr&uuml;ckte Dreiviertelkippe entgegen. Dann erz&auml;hlte sie, da&szlig; es ihr nicht gut ginge. &bdquo;Ich hab&lsquo; ja keine Z&auml;hne und dann so Kopfschmerzen. Aber ich rauch&lsquo; immer. Bis ich tot bin. Bis ich nicht mehr da bin, qualm&lsquo; ich.&ldquo; Und jetzt stehen wir uns auf dem Gang gegen&uuml;ber, und sie schaut mich mit gro&szlig;en Augen an.</p>
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    <title>Die Hornbrille</title>
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    <published>2010-09-30T21:51:39Z</published>
    <updated>2010-10-01T20:18:57Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Jupp erz&auml;hlt, wie damals eine Freundin gestorben ist. Und wie er im Knast die Einladung f&uuml;r die Beerdigung bekam....]]></summary>
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        <name>Björn Ziegert</name>
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        <![CDATA[<p>
	Jupp erz&auml;hlt, wie damals eine Freundin gestorben ist. Und wie er im Knast die Einladung f&uuml;r die Beerdigung bekam. Eben, als die Schwester kurz auf dem Balkon war, hatte er noch gedroht, er wolle das Pflegepersonal vom Heim verpr&uuml;geln (&bdquo;Mann oder Frau &ndash; egal!&ldquo;). Und das hat ihn an fr&uuml;her, an seinen Gef&auml;ngnisdirektor erinnert. &nbsp;Der ihm keinen Freigang f&uuml;r die Beerdigung gew&auml;hrte, worauf Jupp sich mit einer schallenden Ohrfeige bedankte: &bdquo;Patsch, hat&rsquo; er eine sitzen! Un&lsquo; &ndash; eine Woche Arrest. Dann wiede&lsquo; raus, un&lsquo; er sacht &sbquo;Na, wollen sie jetzt einen Kaffee?&lsquo; und ich &sbquo;Sie Arschloch!&lsquo; Un&lsquo; Patsch, hat er wiede&lsquo; eine sitzen. Un&lsquo; &ndash; zwei Wochen Arrest.&ldquo;<br />
	&Uuml;ber die Schlie&szlig;er dagegen nur gute Worte. Wie er einem das Auto repariert habe. Und der ihm daf&uuml;r zweitausend D-Mark gab, obwohl Jupp nichts verlangt hatte. Und dass die auch immer gesoffen h&auml;tten. Whiskey in der Thermosflasche.&nbsp; &bdquo;Un&lsquo; dann bin ich raus, auf Hofgang, un&lsquo; da steht ein Schlie&szlig;er un&lsquo; raucht, un&lsquo; ich denk&lsquo; &sbquo;Mmmh, das riecht aber gut!&lsquo; Un&lsquo; frag ihn, ob er mal &lsquo;ne Zigarette hat. Un&lsquo; er so &sbquo;Nee, das geht nicht!&lsquo; Aber dann so &sbquo;Hier!&lsquo; un&lsquo; ich dann &sbquo;Ffffffft&lsquo; und dann oi, oi, oi! Mann hab&lsquo; ich geschlafe&lsquo;! Am n&auml;chsten Tach bis vierzehn Uhr, un&lsquo; fuffzehn Uhr, un&lsquo; nur m&uuml;de! Aber Mann, hab&lsquo; ich mich gef&uuml;hlt! Oi, oi, oi.&ldquo;<br />
	Dann muss Jupp auf Klo, und ich soll die Schwester rufen und drau&szlig;en warten. Ich schlendere den Gang entlang. Aus dem Raum rechts leises St&ouml;hnen. Links kommt der Aufenthaltsraum. Darin ein paar viereckige Tische mit kleinen Deckchen, Plastikst&uuml;hle, Linoleumboden, wei&szlig;e Tapeten. Eine winzige, faltige Frau im Rollstuhl, ganz zusammengesunken. Zwei andere, die mir den R&uuml;cken zukehren. Und weiter hinten noch eine Frau mit silbergrauen Haaren, einer hellen Strickjacke und Hornbrille. Ich lehne mich an den T&uuml;rrahmen und sehe ihnen beim Fernsehen zu. Nachmittagsprogramm, sehr laut.<br />
	Nach einer Weile dreht sich die Hornbrille um, setzt sich steif auf und starrt mich unverwandt an. Ich bin ganz in schwarz heute. Die Jacke &ndash; nass vom Regen auf dem Balkon &ndash; h&auml;ngt an mir herunter, schwarze M&uuml;tze auf dem Kopf. Die Hornbrille starrt weiter und f&auml;ngt langsam an, mit dem Kopf zu sch&uuml;tteln. Und starrt und sch&uuml;ttelt mit dem Kopf. Dann streckt sie den Arm aus, scheucht mich mit der Hand und fl&uuml;stert &bdquo;Geehh weg! Geeehh weg!&ldquo;</p>
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